{"id":3255,"date":"2025-06-15T10:29:42","date_gmt":"2025-06-15T09:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sakristanen-zh-sh.ch\/wordpress\/?p=3255"},"modified":"2025-06-15T10:29:42","modified_gmt":"2025-06-15T09:29:42","slug":"jahresausflug-ins-schloss-wildegg-am-11-juni-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sakristanen-zh-sh.ch\/wordpress\/?p=3255","title":{"rendered":"Jahresausflug ins Schloss Wildegg am 11. Juni 2025"},"content":{"rendered":"\n<p>Im modernen Komfortreisecar startete unser Ausflug in Z\u00fcrich mit einer sch\u00f6nen Fahrt \u00fcber Land ent-<br>lang der Aare durch die Naturschutzgebiete des Auenschutzparks Aargau; mit dem Ziel bzw. H\u00f6hepunkt<br>&#8220;Schloss Wildegg&#8221;. Den ganzen Tag strahlte die heisse Sonne vom Himmel! Im Garten des stilvoll ein-<br>gerichteten Landgasthauses &#8220;Leuen&#8221; in Uitikon genossen wir schon bald beim Kaffeehalt das gem\u00fctli-<br>che Beisammensein. Auch f\u00fcr das Mittagessen in Seengen im Restaurant &#8220;Eichberg&#8221; &#8211; mit Hof und<br>G\u00e4rtnerei und pr\u00e4chtiger Aussicht &#8211; wurde durch die Organisatoren wiederum ein sch\u00f6ner Ort ausge-<br>sucht. Das Dreigang-Men\u00fc in diesem Ambiente war sehr fein und es wurde auch ein Supplement\/Nach-<br>schlag serviert. Beim &#8220;Barocken Schloss- und Gartenerlebnis&#8221; in M\u00f6riken-Wildegg angekommen, wur-<br>den wir vom jungen (und h\u00fcbschen ) Knecht Peter des 18. Jahrhunderts empfangen und durch das<br>Schloss gef\u00fchrt \u2013 vom Keller bis zum Dach. Jene Teilnehmenden, die weniger gut zu Fuss waren,<br>kamen mit der damaligen Magd in den Genuss der rund einst\u00fcndigen F\u00fchrung. Das Schloss mit dem<br>Schaugarten alter Kulturpflanzen von ProSpeciaRara liegt etwas oberhalb des Dorfes am Ende eines<br>felsigen Ausl\u00e4ufers des Chestenbergs und geh\u00f6rt seit Anfang 2011 dem Kanton Aargau. Der Platz f\u00fcr<br>diesen Bericht reicht vermutlich nicht aus, um die interessanten Erz\u00e4hlungen von Knecht Peter detail-<br>getreu wiederzugeben. Deshalb nur ein kleiner Abriss davon. Er f\u00fchrte uns durch einen d\u00fcsteren Stollen<br>zu den dunklen, alten Pferdest\u00e4nden. Fr\u00fcher war dieser Stall aber nicht dunkel, denn wie alle Schl\u00f6sser<br>wurde auch dieses im 17. Jh. umgebaut und vergr\u00f6ssert. Da der Durchgang f\u00fcr die Pferde dadurch<br>verunm\u00f6glicht wurde, baute man zus\u00e4tzliche Stallungen. Dort war auch der Schlafplatz der Knechte,<br>wo hingegen die M\u00e4gde ihre Kammer im Schloss hatten. Nebst der Magd gab es auch eine K\u00f6chin und<br>ein Erzieher\/Lehrer f\u00fcr die Kinder sowie ein Kutscher und einen J\u00e4ger. Die Jagd war damals eine wich-<br>tige Freizeitbesch\u00e4ftigung. An den Gem\u00e4uern ist heute noch gut erkennbar, wie die Habsburger die<br>ersten Steine aus der nahen Umgebung gesetzt hatten. Sch\u00f6n zu erkennen, wie die Geschichte in<br>dieser Wand versteckt ist. Schon die damalige Herrschaft legte Wert darauf, dass Besuchende Auskunft<br>\u00fcber das Schloss erhielten. Deshalb wurden auch die Knechte gut unterrichtet. Knecht Peter f\u00fchrte uns<br>dann einen Zwischenstock h\u00f6her zur Kornsch\u00fctte. \u00dcber Jahrtausende war das Getreide das wichtigste<br>Nahrungsmittel f\u00fcr Mensch und Tier. Die hier gelagerte Gerste mit wenig Klebstoff brauchte man f\u00fcr<br>Suppe und M\u00fcesli, Weizen mit hohem Glutenanteil wurde zu Brot verarbeitet. Um es haltbar zu machen,<br>wurde es zweimal gebacken und so erhielten die Knechte viele Kalorien f\u00fcr ihre schwere Arbeit, die sie<br>verrichten mussten. Heute werden in diesem ehemaligen Kornlager die einfachen, landwirtschaftlichen<br>Ger\u00e4te wie Sense, Dreschknebel, Rechen, Dreschmaschine und M\u00fchle ausgestellt. Der Pflug wurde<br>entweder von Pferden oder Ochsen gezogen, aber bei armen Bauern auch von Menschenkraft, was<br>doch Einiges abverlangt hatte! Es waren schwierige Zeiten. Man war vom Wetter abh\u00e4ngig, welches<br>bei schlechter Ernte \u00fcber Hunger oder keinen Hunger entschied. Umso wichtiger war es zu dieser Zeit,<br>dass man auch alles verwertete. In einem weiteren Raum einen Stock h\u00f6her zeugen Wappen und<br>Portraits von den bisherigen Herrschaften. Knecht Peter erz\u00e4hlte uns \u00fcber seine aus der Zeit des 18.<br>Jahrhunderts. Die Geschichte f\u00e4ngt um 1470 an. Die Schlossherren und Besitzer der umliegenden<br>L\u00e4ndereien hatten das Recht, Steuern einzuziehen, Gerichtsverfahren abzuhandeln und waren auch<br>verantwortlich f\u00fcr den Strassenunterhalt. Sie waren auch Ansprechperson f\u00fcr die umliegenden D\u00f6rfer<br>wie Holderbank oder M\u00f6riken. Wildegg wurde erst sp\u00e4ter mit der Industrialisierung bedeutend. Wiede-<br>rum einen Stock h\u00f6her gab uns Schlossknecht Peter in der reich verzierten Eingangshalle mit Aussicht<br>auf die umliegenden D\u00f6rfer und Schl\u00f6sser anhand der Wandmalereien einen kurzen, geschichtlichen<br>Abriss. Um 1230 bauten die Habsburger hier einen Wachtturm mit dem Zweck, das Tal zu \u00fcberwachen.<br>1415 eroberten die Berner den ganzen Aargau. Der Wachtturm wurde als Kornkammer genutzt und<br>ging von den Habsburgern in den Besitz der Berner \u00fcber. Das Schloss stand dann l\u00e4ngere Zeit leer<br>und wurde um 1476 von der Familie Effinger erworben. S\u00e4mtliches umliegende Land und Leute mit<br>Bauernh\u00f6fen, einer Ziegelei und Weinberge gingen in dessen Besitz \u00fcber. Die sehr wohlhabende Fa-<br>milie Effinger bewohnte das Schloss Wildegg aussergew\u00f6hnlich lange, von 1476 bis 1912. Im 18. Jahr-<br>hundert betraf die Franz\u00f6sische Revolution auch die Schweiz. Effingers konnten aber ihren Besitz be-<br>halten. In dieser Zeit lebten die Herrschaften des Knechts Peter, Sofie von Erlacher-Effinger und ihr<br>Halbbruder Albert Effinger, auf dem Schloss. Die ausgestellten Gegenst\u00e4nde stammen aus dessen Zeit<br>und Besitz. Weiter erkl\u00e4rte Knecht Peter die Bedeutung der Wappen. Die abgebildeten Knollen deuten<br>auf die Anzahl der L\u00e4ndereien. Danach f\u00fchrte er uns in die K\u00fcche. Die K\u00fcche war eigentlich der wich-<br>tigste Ort im Schloss, denn hier war es immer warm, hier unterhielt man sich und hier wurde das Essen<br>den Jahreszeiten entsprechend durch altert\u00fcmliche Techniken haltbar gemacht. Bemerkenswert ist der<br>\u00fcber der Feuerstelle mechanisch angetriebene Spiess, aber auch ein ca. 4 Meter tiefer Schacht. Darin<br>wurde das Regenwasser als Trinkwasser und f\u00fcr den Abwasch gesammelt. Das Abwasser aus dem<br>Steinbecken am Fenster wurde dann einfach an der Aussenfassade abgeleitet. Zu dieser Zeit gab es<br>ja weder fliessendes Wasser, noch Strom, noch eine Heizung. Ein weiteres interessantes Utensil: Die<br>Dochtschere. Fr\u00fcher brannten die Kerzendochte nicht ab, sondern mussten immer wieder zur\u00fcckge-<br>schnitten werden. Weiter zeigte uns Schlossknecht Peter das Herzst\u00fcck des Schlosses; den Salon.<br>Hier empfing man G\u00e4ste, hier hat man gegessen und machte B\u00fcroarbeiten. Und in den Fensternischen<br>zwischen den dicken Mauern, wo viel Licht war, verrichteten die Frauen von Stand, welche nicht k\u00f6r-<br>perlich gearbeitet hatten, Handarbeiten wie N\u00e4hen und Stricken. In diesem Raum wurde auch musiziert<br>und getanzt, was f\u00fcr den Adel sehr wichtig war. Das im Salon pr\u00e4sentierte Porzellan, wie auch Kaffee<br>oder Trinkschokolade, wurde in dieser Zeit bekannt und aus anderen Kolonien eingef\u00fchrt &#8211; f\u00fcr den Adel<br>ein enormer gesellschaftlicher Wert. Wieder einen Stock h\u00f6her im Raum mit den Portraits der Schloss-<br>herren erfuhren wir einiges Spannendes \u00fcber deren Werdegang. Die Familie Effinger hatte einen bis<br>nach Bern reichenden Namen mit Rang und Klang. Jedoch erregte dann insbes. die ausgestellte Rit-<br>terr\u00fcstung, ein Kettenhemd, unsere Aufmerksamkeit. Bernhard Effinger wurde zur Verteidigung der<br>Stadt Wien zum Kampf gegen die Osmanen\/die T\u00fcrken einberufen. Dabei wurde auch das Kettenhemd<br>des F\u00fcrsten Bernhard Effinger zur\u00fcckgelassen und kam so wieder ins Schloss Wildegg zur\u00fcck. Mit<br>solchen privaten Sammlungen entstand auch das Museum, welches heute durch das Landesmuseum<br>verwaltet wird. Schliesslich zeigte uns Knecht Peter noch den Schlafraum der M\u00e4gde, welche sich das<br>Bett bei wechselnden Schichten teilten und es auch zu zweit nutzten, um sich warm zu halten. Die<br>Duvets bestanden aus gesammeltem Laub. Betreffend Hygiene widersprach Knecht Peter der g\u00e4ngi-<br>gen Meinung, die M\u00e4gde seien schmutzig gewesen und h\u00e4tten gestunken, denn sie wuschen sich t\u00e4g-<br>lich mittels Waschschale und Krug auf dem Zimmer. Auch die Unterkleider wurden regelm\u00e4ssig gewa-<br>schen. Knecht Peter erz\u00e4hlte auch von der Beziehung zwischen den Untertanen und ihren Herren.<br>Manche Diener lebten ihr Leben lang im Schloss, wodurch durchaus eine engere Beziehung, mit einer<br>gewissen Herzlichkeit, entstehen konnte. Neben der Magd-Kammer befindet sich die R\u00fcstkammer. Der<br>Sage nach soll eine Magd im 18. Jh. des Nachts einen Weissen Ritter gesehen haben, der von der<br>R\u00fcstkammer aus durch die Mauern durch einen anderen Raum gegangen und dann wieder verschwun-<br>den sei. Heute sagt man, dass im Herbst bei Nebel diese Figur manchmal in der Gegend von M\u00f6riken<br>auftauchen soll. Ob bei solchen Beobachtungen vielleicht auch der Genuss eines guten Tropfens einen<br>gewissen Einfluss hat, sei dahingestellt\u2026 Weiter gings zum Dachgeschoss, einem grossen, leeren,<br>hohen Raum. Der wurde zur Lagerung von Lebensmitteln sowie f\u00fcr nicht genutzte M\u00f6bel verwendet.<br>Auch als Waschraum war dieser Raum aufgrund seiner grossen Platzverh\u00e4ltnisse wichtig. Von diesem<br>Dachgeschoss f\u00fchrt eine weitere Treppe zum obersten Dachgeschoss, welches aber f\u00fcr Besuchende<br>gesperrt ist. Diesen Platz \u00fcberl\u00e4sst man n\u00e4mlich den tierischen Kreaturen, den Dohlen, als Wohnraum.<br>Am Schluss seiner interessanten F\u00fchrung empfahl uns Knecht Peter, noch etwas Zeit im pr\u00e4chtigen<br>Schlossgarten zu verbringen. Wir waren uns einig, dass tats\u00e4chlich ein erneuter Besuch dieser pr\u00e4ch-<br>tigen Anlage lohnend w\u00e4re. Allein im Garten k\u00f6nnte man sich den ganzen Tag verweilen und die Zeit<br>mit den vielf\u00e4ltigen, sch\u00f6n und strukturiert angelegten Bepflanzungen geniessen. Nach kurzem, indivi-<br>duellem Aufenthalt in der Anlage erfolgte die R\u00fcckreise dann nicht mehr \u00fcber Land, sondern auf direk-<br>tem Weg \u00fcber die teilweise verstopfte Autobahn. Es war ein sch\u00f6ner Ausflug, vielen Dank dem Orga-<br>nisator Christian Russi!<\/p>\n\n\n\n<p><br>Marianne W\u00e4lchli-Moser<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im modernen Komfortreisecar startete unser Ausflug in Z\u00fcrich mit einer sch\u00f6nen Fahrt \u00fcber Land ent-lang der Aare durch die Naturschutzgebiete des Auenschutzparks Aargau; mit dem Ziel bzw. H\u00f6hepunkt&#8220;Schloss Wildegg&#8221;. Den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.sakristanen-zh-sh.ch\/wordpress\/?p=3255\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Jahresausflug ins Schloss Wildegg am 11. 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